Chancen nutzen und von Phosphorimporten unabhängig machen

22.03.2023 - Kommunen müssen bis 2023 ein Phosphor-Recycling-Konzept vorlegen. Kassels Regierungspräsident lernt Grenzebach-Lösung für Phosphor-Recycling kennen.

  • Kassels Regierungspräsident Mark Weinmeister zu Besuch bei der Grenzebach BSH GmbH in Bad Hersfeld 
  • Anlass ist unter anderem die Auszeichnung „Hessen Champion“ für das hauseigene Phosphor-Recycling-Verfahren 
  • Aktuelle Umfrageergebnisse bei den Kläranlagenbetreibern zum Phosphor-Recycling-Ausbau stimmen Weinmeister nachdenklich 

 

BAD HERSFELD/Deutschland. Mark Weinmeister, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kassel, hat am Dienstag, 14. März 2023, die Grenzebach BSH, führendes Unternehmen für Prozess- und Anlagetechnologien, in Bad Hersfeld besucht. Anlass war die immer näherkommende gesetzliche Berichtspflicht über die geplanten Maßnahmen zur Phosphorrückgewinnung sowie die Auszeichnung des Bad Hersfelder Unternehmens als „Hessen Champion“ im Bereich Innovation für sein ökologisch-freundliches Phosphor-Recycling-Verfahren.  

Geschäftsführer Robert Brier und Michael Meyer, Director Process Technology und Experte für Phosphor-Recycling bei Grenzebach, begrüßten Weinmeister am Firmenstandort des Bad Hersfelder Unternehmens und erläuterten die Hintergründe sowie Vorteile des Grenzebach-Verfahrens zur Rückgewinnung von Phosphor. Weinmeister zeigte sich beeindruckt: „Eine direkte Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm, wie sie hier betrieben wird, kann Kommunen einen regional orientierten und ressourcenschonenden Lösungsweg bieten.“ Brier bekräftigt: „Das von Grenzebach entwickelte Verfahren ist einzigartig. Es ermöglicht Städte und Kommunen den lebenswichtigen Rohstoff aus Klärschlamm ohne vorgelagerte Verbrennung, ohne weite Transportwege, ohne Deponiestoffe und ohne den Einsatz von Chemikalien zu recyceln. Ganz im Sinne einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft.“  

Die Zeit drängt: Kommunen müssen handeln 

Städte und Gemeinden müssen ab 2029 den Rohstoff Phosphor aus Klärschlamm rückgewinnen. In Deutschland müssen diese bis Ende 2023 der zuständigen Behörde über die geplanten Maßnahmen zur Phosphor-Rückgewinnung berichten. Versäumen Kommunen diese Frist, kann ein Bußgeld festgesetzt werden. Brier und Meyer gaben Weinmeister einen Einblick in den aktuellen Stand der Konzepte zur Phosphorrückgewinnung in Deutschland. Deutschland und andere EU-Staaten seien bislang vollständig von Phosphor-Importen abhängig. Diese stammten zudem häufig aus politisch unsicheren Regionen, fügten Brier und Meyer an. 

Laut einer Umfrage der Deutschen Phosphor-Plattform DPP e.V. haben lediglich elf Prozent aller Befragten Klärschlammerzeuger ein Recycling-Konzept finalisiert. Nur ein Drittel der Umfrageteilnehmenden haben bisher eine Markterkundung zum möglichen Phosphor-Recycling durchgeführt. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass viele Klärschlammerzeuger noch nicht ausreichend über die Thematik informiert sind und auch deren Wichtigkeit nicht erfasst haben.  

Diese Zahlen stimmten auch Weinmeister nachdenklich: „Phosphor ist ein essenzieller Rohstoff für zahlreiche Wirtschaftsbereiche in NordOstHessen. Hier müssen wir unabhängiger von Importen werden und Möglichkeiten der Rückgewinnung stärker nutzen – dies auch im Sinne des Klimaschutz- und Recyclinggedankens. Bis 2029 bleibt nicht mehr viel Zeit, um die notwendigen Prozesse in Gang zu setzen.“ Weinmeister sicherte zu, bei seinen Kontakten mit Stakeholdern in der Region auf die Thematik hinzuweisen und die Auseinandersetzung damit zu befördern. 

Das Grenzebach-Phosphor-Recycling-Verfahren 

Das Grenzebach-Phosphor-Recycling-Verfahren kann als dezentrales Verfahren direkt an der Kläranlage implementiert werden. Im Verfahren wird dabei zunächst der Klärschlamm entwässert und getrocknet. Die Trocknung des Klärschlamms erfolgt zu einem wesentlichen Teil energieeffizient mit der Abwärme des Recycling-Prozesses. Beim Recycling-Prozess wird die verbleibende Trockenmasse nahezu vollständig recycelt – ohne weitere Deponiestoffe zu hinterlassen. Als eines der wenigen Verfahren, die Phosphor direkt aus Klärschlamm rückgewinnen, übertrifft es die gesetzlich vorgeschriebenen Recyclingquoten.